Belvedere Museum Wien – Ein Museum für die digitale Zeit
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Constanze Mitterhuemer, Leiterin der Abteilung "Digitale Kommunikation und Innovation" im Belvedere Museum Wien.
Was bedeutet es für ein Museum wie das Belvedere, digital zu sein?
Constanze Mitterhuemer: "Aus der Perspektive meiner Position bedeutet es, in der digitalen Welt präsent und am Puls der Zeit zu sein. Mein Anspruch geht aber darüber hinaus: Ich halte es für die Aufgabe von mir und meinem Team, das Belvedere innovativ und mutig auf unterschiedlichsten Kanälen im digitalen Raum zu positionieren und immer neue Zielgruppen für unser einzigartiges Museum mit seiner weltberühmten Sammlung zu begeistern."
Was waren die ersten Schritte zu einem digitalen Museum?
Constanze Mitterhuemer: "Social Media begann vor mehr als 15 Jahren, zu einem mittlerweile fixen Bestandteil vieler Institutionen und Unternehmen heranzuwachsen. Auch das Belvedere hat sich damals diesen Kanälen geöffnet. In der Vergangenheit wurde sich auch hier stetig weiterentwickelt. Einen großen, nachhaltigen Shift – etwas weg von der analogen Kommunikation und hin zum Digitalen – vollzog das Museum während der Covid-19-Pandemie. Spätestens seitdem ist der Fokus des Hauses klar: Wir wollen auch digital ein Museum von Bedeutung sein. Das konnten wir jedoch nur umsetzen, weil unterschiedliche Abteilungen schon in den Jahren zuvor mit der Arbeit am digitalen Belvedere vieles bewegt haben. In unserem Research Center haben viele Kolleginnen und Kollegen die Sammlung großteils digitalisiert. Kunstwerke werden auch, sofern rechtlich möglich, als Open Content zur freien Verfügung gestellt."
Wo liegen die größten Herausforderungen bei der Digitalisierung eines Museums?
Constanze Mitterhuemer: "Wir sind schon weit gekommen und treiben die Digitalisierung in verschiedenen Bereichen natürlich auch weiterhin motiviert voran. Guten Entscheidungen im Bereich der Innovation gehen eine sorgfältige Recherche und genaues Abwägen verschiedener Optionen voraus. Viele Blitzlichter in der digitalen Welt erlöschen auch bald wieder. Für uns ist es deshalb besonders wichtig, auf das richtige Pferd zu setzen – nicht unbedingt auf das, welches am schnellsten startet."
Wie würden Sie den aktuellen Digitalisierungsstand des Belvedere Museums beschreiben?
Constanze Mitterhuemer: "Das Belvedere treibt die digitale Transformation konsequent voran – von der Optimierung der digitalen Infrastruktur bis hin zu innovativen Vermittlungsformaten. Mit digitaler Forschung und starken Kooperationen wird der Online-Zugang zur Sammlung von den Kolleginnen und Kollegen im Research Center laufend erweitert. Gleichzeitig werden Website, Social Media und E-Commerce kontinuierlich weiterentwickelt, ergänzt durch modernes Ticketing und Merchandising. Besonderes Augenmerk liegt auf Digital Storytelling und Bewegtbildformaten sowie der Integration von Augmented Reality (computergestützte Erweiterung der Realitätswahrnehmung, Anm.), Metaverse und Games, um junge Menschen zu erreichen und die Wahrnehmung von Kunst in einer interaktiven digitalen Welt nachhaltig zu fördern."
Was für eine Rolle spielen soziale Netzwerke bei der Digitalisierung eines Museums?
Constanze Mitterhuemer: "Soziale Netzwerke geben uns die Möglichkeit, unterschiedliche Zielgruppen in der ihnen vertrauten Umgebung einer sozialen Plattform zu erreichen. Ob wir nun Menschen in Wien auf eine Ausstellung aufmerksam machen, die sie nicht verpassen sollten, oder jemandem am anderen Ende der Welt zum ersten Mal das Belvedere und seine Kunstschätze näherbringen wollen – wir können hier breit gefächert kommunizieren."
Was waren Ihre prägendsten Erfahrungen bei der Digitalisierung im Belvedere Museum?
Constanze Mitterhuemer: "Besonders prägend waren für mich unser ‚The Kiss‘-NFT (Non-Fungible Token, ein einmaliger Kryptowert, Anm.), das 2022 an den Start ging, sowie der Einstieg in die Gaming-Welt mit den ‚On-Site Experiences‘ (vor Ort spielbar, Anm.) rund um unsere eigenen Charaktere ‚The Fantastic Palastics‘ und dem Game ‚ArtLeap‘ auf der Roblox-Spieleplattform. All diese Projekte zeigen, wie das Belvedere digitale Innovation vorantreibt. Auch auf Social Media konnten wir neue Maßstäbe setzen – und sind mittlerweile das erfolgreichste Museum Österreichs."
Wie nehmen Besucherinnen und Besucher die digitalen Angebote des Belvedere Museums an?
Constanze Mitterhuemer: "Mit 32,5 Millionen digitalen Besucherinnen und Besuchern auf unserer Website und Social Media im Jahr 2024 ist das Belvedere die Nummer eins bei den Österreichischen Bundesmuseen. Aufgeschlüsselt: 3,5 Millionen Uniqe Users, also Websitebesucherinnen und -besucher, dazu 19 Millionen Views auf TikTok und 10 Millionen Views auf Meta, also 29 Millionen Views auf den Social-Media-Channels. Außerdem wird ein beachtlicher Anteil unserer Tickets online gekauft."
Wo sehen Sie das digitale Belvedere Museum in fünf Jahren?
Constanze Mitterhuemer: "Weiterhin in der Pionierrolle in der Welt der digitalen Kunstmuseen. Für uns gilt auch in den nächsten Jahren, wichtige Innovationen aktiv mit voranzutreiben."
Die digitalen Angebote des Belvedere auf einen Blick:
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Smartify Touren
Ob mehrsprachige Audiotouren oder barrierefreie Videoführungen in Österreichischer Gebärdensprache: Das digitale Angebot auf der App "Smartify" wird laufend ausgebaut. -
Online-Sammlung
Der Großteil der Sammlung des Belvedere wurde digitalisiert und kann in der Sammlung Online angesehen werden. Einige der beliebtesten Werke werden auch mit Essays der Kuratorinnen und Kuratoren ergänzt. -
The Fantastic Palastics
2023 hat das Museum anlässlich 300 Jahre Schloss Belvedere ein interaktives "Augmented Reality"-Game für Kinder im Schlossgarten gelauncht. 2025 geht es mit einem neuen Angebot weiter – die Fantastic Palastics helfen Kindern zwischen 8 und 12 Jahren, im Museum ihre inneren Künstlerinnen und Künstler zu entdecken. -
Roblox – Belvedere "ArtLeap"
Mit dem Game "Art Leap" ist das Belvedere seit Ende 2024 auf der internationalen Spieleplattform Roblox vertreten. Das Spiel ermöglicht es Spielerinnen und Spielern auf der ganzen Welt, in die berühmtesten Kunstwerke der Sammlung einzutauchen.
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